Über 600 Jahre Hof-Apotheke

Auf Veranlassung des Grafen-Paares Henriette vom Mömpelgrad und Eberhard IV von Württemberg wurde die gräfliche Arzneikammer im Ostbau des Alten Schlosses eingerichtet unter Leitung von Meister Heinrich Glaz. Dass es sie bereits 1438 gegeben hat, bezeugt eine 5-Schilling-Spende für den Altar der St. Leonhardskirche, gegeben vom Heinrich Glaz, Apotheker in Stuttgart und im Nebenamt der Arzneikammer der Grafschaft.

Apotheker Glatz war ein fleißiger Mann, der schnell ein beachtliches Lager an allerlei Heilkräutern, Tinkturen und Salben im Schloss aufgebaut hatte. Die Arzneikammer war für die Bürger zu dieser Zeit nicht zugänglich, sondern diente nur der Gesundheit der Grafschaft.

 

Über 138 Jahre später im Jahre 1551 unter der Markgräfin Anna Maria von Brandenburg, einer hohen und gütigen Frau, wurde diese Arzneikammer unter dem Namen Hof-Apotheke offiziell als eine segensreiche Stiftung eingetragen. Arme Kranke wurden unentgeltlich mit Arzneien versorgt und gepflegt – so lautet es in der Stiftungsurkunde. Später wurden diese Wohltaten auf die Dienerschaft, das Hofkrankenhaus, den Lokalwohltätigkeitsverein und das Königliche Waisenhaus ausgedehnt. Selbstverständlich wurde weiterhin die Grafenfamilie versorgt, einschließlich der Herzogin und ihrer Frauenzimmer.

Der damalige Apotheker Cyriakus Horn III erhielt als Besoldung 16 Gulden jährlich, zwei Kleider und war mit seinem Haus befreit von jeglicher Steuer. Er hatte aber ein Versprechen besonderer Art abzugeben, dass:

„…die Armen der Stadt unentgeltlich mit Arzneyen versehen werden. Dass er allen Fleiss anwenden, dass er die einfachen Mittel, über die bisher viel geklagt worden sei, so erhalte, wie die visitierenden Ärzte ihm diese angeben, dafür zu sorgen, dass Blüten, Früchte, Kräuter, Samen, Wurzeln zur rechten Zeit gesammelt und aufbewahrt würden und die einfachen Mittel alle Jahre zu erneuern.“

Die Ursprünge der Hof-Apotheke lassen sich somit bis ins Jahr 1413 zurückverfolgen. Die Hof-Apotheke feierte 2014 ihr 600-iges Jubiläum.

Dieser Text wurde zum Jubiläum 2014 in der Stuttgarter Zeitung veröffentlicht.